
Jakob Grimm, der Ältere der Gebrüder Grimm, konnte die fesselnde Kraft von Geschichten am eigenen Leib erfahren
Menschen, die mich in meiner Praxis besuchen, berichten mir immer wieder, dass sie unter anderem so gerne zu mir kommen, weil ich so viele Geschichten erzähle.
Ja, wir Menschen lieben Geschichten. Können Sie sich noch daran erinnern, welche Geschichte Sie als Kind am liebsten vorgelesen bekommen haben? – Oder gehören Sie zu der Generation, die wie ich bereits diese tollen Hörspiele auf Platte oder Kassette genießen durfte? – Mein Bruder und ich konnten die Kassette “Die Kinder des Kapitän Grant” gar nicht oft genug hören – ein Abenteuer-Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Jules Verne über 2 Kinder, die auf der Suche nach ihrem Vater die ganze Welt umrunden.
Doch nicht nur Kinder lieben Geschichten – auch wir Erwachsenen. Wie sollte sich sonst das Hollywood-Millionengeschäft oder der anhaltende Bücher-Boom sowie die immense Nachfrage nach Hörbüchern erklären lassen. Und wenn wir Geschichten hören, dann nehmen wir oft nicht nur den Inhalt in uns auf, sondern identifizieren uns auch oft mit den Figuren dieser Geschichten – deren heldenartigen Taten auch auch deren tragischen Schicksalsschläge. Diese Figuren werden in uns lebendig und ab und zu werden wir ins unserem Erleben zu diesen Figuren. Unsere Aufmerksamkeit wird wie in Trance von der Geschichte absorbiert.
Sie können sich nicht vorstellen, wie oft ich mir als Kind vorgestellt habe, was ich alles tun würde, wenn ich einen Tag lang in die Rolle von Superman schlüpfen könnte. In meinem inneren Erleben war ich dann für einen Tag Superman – fast wie im Traum. Und darüber, welchen Einfluß unsere Träume auf unser Leben haben können, greift der Film “Rätselhafte Heilung” auf, über den ich bereits in meinem Blogbeitrag vom 27.11.2008 berichtet habe.
Und dass Geschichten für uns uns Menschen heilsam sein können, hat einer am eigenen Leib erfahren, den wir wahrscheinlich alle kennen: Jakob Grimm, der Ältere der Gebrüder Grimm. Jakob Grimm wurde im Alter von 9 Jahren (1794) ein Tumor entfernt und das ohne die Möglichkeiten der modernen Vollnarkose. Der junge Jakob Grimm hat lediglich eine Geschichte erzählt bekommen, die ihn so sehr gefesselt hat, dass er den Eingriff über sich ergehen lassen konnte. Vielleicht hat ihn dieses Erlebnis so sehr beeinflusst, dass er rund 18 Jahre später das Märchen “Schneewittchen” veröffentlichen sollte.
Und genau aus diesen Gründen nutzen Hypnotherapeuten Geschichten auch regelmäßig um die Aufmerksamkeit von Menschen, die Rat suchen, auf bestimmte neue Sichtweisen oder vorhandene Fähigkeiten zu leinken. Milton H. Erickson, amerikanischer Psychiater und einer der Väter der modernen Hypnotherapie, nutzte Geschichten außerordentlich gerne in seiner hypnotherapeutischen Arbeit. Er verwendete meist bis zu einer Woche nach dem Erstgespräch darauf, für seine Klienten entsprechende Geschichten, die er geschickt in seine therapeutischen Gespräche einwebte, auszusuchen oder zu erfinden. Oft mit sehr beeindruckendem Erfolg, wie etliche seiner dokumentierten Fälle zeigen.
So, nun wünsche ich Ihnen viel Spass beim Geschichtenerzählen und wenn Sie das nächste Mal eine Geschichte erzählen, dann kann Sie Ihr Unterbewusstsein, dass die ganze Zeit mitgelesen hat, daran erinnern, dass Sie vielleicht gerade jemanden in Trance schicken. Seien Sie neugierig und beobachten Sie einfach, wie Sie Ihre Zuhörer fesseln.
Ihr Doc Ramadani
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07.06.2009 | Schlagworte: Aufmerksamkeit, Geschichte, Geschichten, Hypnose, Hypnotherapie, Ulm | Kategorie: Geschichten, Hypnose | 3 Kommentare