Doc Ramadani’s Energiebrief

Doc Ramadani’s Energiebrief

Wer Energielieferant ist, ist verpflichtet, sein Energiedepot regelmäßig wieder aufzufüllen.

Doc Ramadani’s Energiebrief RSS Feed
 

Beiträge in der Kategorie: Geschichten

Von Männern und vom Baggern

Ab und zu darf ich in meiner Praxis auch immer wieder Männer begleiten, die sich wünschen, leichter Kontakt zu Angehörigen des anderen Geschlechts, so genannten “Frauen”, zu bekommen. Im Laufe der Begleitung empfehle ich Ratsuchenden dann ab und an gerne das Buch “Die perfekte Masche” von Neil Strauss – ein aberwitziges und zugleich hilfreiches Buch, wie ich finde.

Neil Strauss ist Journalist und ein so genannter “EFL” – ein “ewig frustrierter Loser”, wie er sich selbst bald nach dem Beitritt in eine Online-Außreisser-Community bezeichnet. Auf Wunsch seines Chef-Redaktuers bei der New York Times macht er sich in eine Subkultur der besonderen Art auf. Neil Strauss taucht ein in eine Welt von Männern, denen es scheinbar nur darum geht, die beste Technik, die beste Mache und die besten Tricks zu entwickeln, um eine Frau möglichst schnell dazu zu bringen, Sex mit Ihnen zu haben.

Bei seinen Recherchen stößt Neil Strauss schnell auf seine eigenen Blockaden und beschließt eines Tages, sein Leben nicht länger als EFL zu fristen, der schon mehrfach fast an der DOK-Krankheit (“Die-oder-keine-Krankheit”" zugrunde gegangen wäre. Er beschließt, Teil der Community zu werden und aus dem Journalisten Neil Strauss wird “Style”, der Profi-Aufreißer – und “Style” sollte erfolgreicher werden, als alle anderen Aufreißer zuvor. Er macht sich auf den Weg. Den Weg, der ihn über Workshops, Seminare, Aufreißertouren und etliche Frauen dorthin führt, wo er begann: zu sich selbst – aber um einige Erfahrungen reicher.

Neil Strauss, alias “Style”, hat mit seinem aberwitzigen und erstaunlichen Buch eine beeindruckende Mischung aus Ratgeber und Roman erschaffen, die mich nicht mehr losgelassen hat. Anfangs beschreibt er sehr detailliert, wie er Zugang zur Aufreißer-Community bekommt und in Workshops mehr und mehr lernt, seine eigenen Hemmungen zu überwinden. Er bekommt Kontakt zu den vermeintlichen Größen der Szene und beschließt, etwas von Ihnen zu lernen. Er lernt Sprüche auswendig, übt Techniken ein und lernt sogar Zaubertricks … und er hat Erfolg. “Style” entwickelt sich zum Profi-Aufreißer und wird nach und nach zu einem der Führer der Community. Die “Jünger” reißen sich um ihn. Er wird einer der gefragtesten Aufriss-Lehrer und unterstützt andere Aufriss-Lehrer bei ihren Workshops.

Im Verlauf seiner Beschreibungen versteht es Neil Strauss, sehr differenzierte Persönlichkeitsprofile seiner vermeintlichen Mitstreiter zu zeichnen. Mehr und mehr wird aus dem Ratgeber ein vielschichtiger Hochgeschwindigkeitsroman, in dessen Verlauf sich die Wege von Style und seinen Mitstreiter mehrfach kreuzen und vereinen: Style findet sich bald in einer Aufreißer-WG in Los Angeles wieder, in der es nicht nur heiter zugeht. Ein ums andere Mal geraten die aufreißenden “Alpha-Männchen” an ihre Grenzen. Immer wieder ertappt man sich beim Lesen dabei, Mitleid mit Styles Wegbegleitern (insbesondere seinem ersten Mentor: Mystery) zu bekommen, wenn man erfährt, wie diese in ihre ganz persönlichen Krisen schlittern.

Warum ich dieses Buch so gerne empfehle? – Es ist Ratgeber und Roman zugleich und Neil Strauss schafft es, auf sehr einfühlsame Art und Weise darzustellen, wo die eigenen Blockaden stecken, die bisher vielleicht verhindert haben, dass man unbefangen Kontakt zum anderen Geschlecht aufnehmen kann. Dass letztlich aber alle Techniken und Tricks versagen wenn wahre Gefühle ins Spiel kommen, erfährt Neil Strauss schließlich am eigenen Leib, als er sich in die Gitarristin Lisa verliebt. Nur wer bereit ist, sich so zu zeigen, wie er ist, kann schlussendlich erfahren, wie es ist, wirklich geliebt zu werden – mit allen Stärken und Schwächen.

Viel Spass beim Sich-zeigen,
Doc Ramadani

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 7.2/10 (5 Bewertungen)

Verwandte Artikel

Der alte Mann und sein Pferd

Folgende Geschichte hat mir die liebe Heidi von der schwäbischen Ostalb geschickt. Ich möchte sie Euch nicht vorenthalten.

The Old Man and his Horse (a.k.a. Sai Weng Shi Ma)

Once there was an old man who lived in a tiny village. Although poor, he was envied by all, for he owned a beautiful white horse. Even the king coveted his treasure. A horse like this had never been seen before – such was its splendor, its majesty, its strength.

People offered fabulous prices for the steed, but the old man always refused. “This horse is not a horse to me,” he would tell them. “It is a person. How could you sell a person? He is a friend, not a possession. How could you sell a friend.” The man was poor and the temptation was great. But he never sold the horse.

One morning he found that the horse was not in his stable. All the village came to see him. “You old fool,” they scoffed, “we told you that someone would steal your horse. We warned you that you would be robbed. You are so poor. How could you ever protect such a valuable animal? It would have been better to have sold him. You could have gotten whatever price you wanted. No amount would have been too high. Now the horse is gone and you’ve been cursed with misfortune.”

The old man responded, “Don’t speak too quickly. Say only that the horse is not in the stable. That is all we know; the rest is judgment. If I’ve been cursed or not, how can you know? How can you judge?”

The people contested, “Don’t make us out to be fools! We may not be philosophers, but great philosophy is not needed. The simple fact that your horse is gone is a curse.”

The old man spoke again. “All I know is that the stable is empty, and the horse is gone. The rest I don’t know. Whether it be a curse or a blessing, I can’t say. All we can see is a fragment. Who can say what will come next?”

The people of the village laughed. They thought that the man was crazy. They had always thought he was a fool; if he wasn’t, he would have sold the horse and lived off the money. But instead, he was a poor woodcutter, and old man still cutting firewood and dragging it out of the forest and selling it. He lived hand to mouth in the misery of poverty. Now he had proven that he was, indeed, a fool.

After fifteen days, the horse returned. He hadn’t been stolen; he had run away into the forest. Not only had he returned, he had brought a dozen wild horses with him. Once again, the village people gathered around the woodcutter and spoke. “Old man, you were right and we were wrong. What we thought was a curse was a blessing. Please forgive us.”

The man responded, “Once again, you go too far. Say only that the horse is back. State only that a dozen horses returned with him, but don’t judge. How do you know if this is a blessing or not? You see only a fragment. Unless you know the whole story, how can you judge? You read only one page of a book. Can you judge the whole book? You read only one word of one phrase. Can you understand the entire phrase?”

Viel Spass beim Pferdehüten,
Doc Ramadani

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 8.3/10 (6 Bewertungen)

Verwandte Artikel

Vom Jungen, dem ein Arm fehlte

Es war einmal ein Junge. Er war mit nur einem Arm auf die Welt gekommen, der linke fehlte ihm. Nun war es so, dass sich der Junge für den Kampfsport interessierte. Er bat seine Eltern so lange darum, Unterricht in Judo nehmen zu können, bis sie nachgaben, obwohl sie wenig Sinn daran sahen, dass er mit seiner Behinderung diesen Sport wählte.

Der Meister, bei dem der Junge lernte, brachte ihm einen einzigen Griff bei und den sollte der Junge wieder und wieder trainieren. Nach einigen Wochen fragte der Junge: “Sag, Meister, sollte ich nicht mehrere Griffe lernen?” Sein Lehrer antwortete: “Das ist der einzige Griff, denn du beherrschen musst.” Obwohl der Junge die Antwort nicht verstand, fügte er sich und trainierte weiter.

Irgendwann kam das erste Turnier, an dem der Junge teilnahm. Und zu seiner Verblüffung gewann er die ersten Kämpfe mühelos. Mit den Runden steigerte sich auch die Fähigkeit seiner Gegner, aber er schaffte es bis zum Finale.

Dort stand er einem Jungen gegenüber, der sehr viel größer, älter und kräftiger war als er. Auch hatte der viel mehr Erfahrungen. Einige regten an, diesen ungleichen Kampf abzusagen und auch der Junge zweifelte einen Moment, dass er eine Chance haben würde. Der Meister aber bestand auf dem Kampf. Im Moment einer Unachtsamkeit seines Gegners gelang es dem Jungen, seinen einzigen Griff anzuwenden ? und mit diesem gewann er zum Erstaunen aller.

Auf dem Heimweg sprachen der Meister und der Junge über den Kampf. Der Junge fragte: “Wie war es möglich, dass ich mit nur einem einzigen Griff das Turnier gewinnen konnte?”

“Das hat zwei Gründe: Der Griff, den du beherrschst, ist einer der schwierigsten und besten Griffe im Judo. Darüber hinaus kann man sich gegen ihn nur verteidigen, indem man den linken Arm des Gegners zu fassen bekommt.”

Und da wurde dem Jungen klar, dass seine größte Schwäche auch seine größte Stärke war.

Viel Spass beim Stärken-finden,
Doc Ramadani

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 9.1/10 (16 Bewertungen)

Verwandte Artikel

Das Schicksal ist ungerecht!

Ein Philosoph unterhielt sich mit Mulla Nasrudin. “Im Endeffekt tun Sie mir leid”, sagte er. “So hart ist Ihr Leben, um jedes Schäfchen der Gemeinde müssen Sie kämpfen.”

Nasrudin sagte: “Ich danke Ihnen für Ihr Mitgefühl. Aber sagen Sie mir doch, welchem Beruf Sie nachgehen?”. Der Philosoph antwortete, und ein gewisser Stolz in seiner Stimme war nicht zu überhören: “Ich bin ein Philosoph und studiere das Denken der Menschen, ihre Taten und ihre Wünsche.” Da fuhr der Mulla fort, an seinem Stück trockenem Brot zu knabbern, und seufzte: “Jaja, so hat ein jeder von uns sein Los zu tragen.”

Viel Spass beim Philosophieren,
Doc Ramadani

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 8.5/10 (6 Bewertungen)

Verwandte Artikel

An der Brücke

Als ich einmal wieder auf meinem Weg war, traf ich einen jungen Mann, der ging auf und ab. Ich fragte, was er denn mache und er schaute mich an. Seine Augen waren voll Trauer und auch voll Wut. Sein Körper war geschwächt und doch konnte er nicht ruhen. Auf seinen Schultern lastete ein großes Paket, hier und da waren ein paar Löcher, wo wohl ein Stück des Inhalts fehlte; dennoch schien es dadurch nicht minder schwer.

Ich fragte, warum er denn nur ständig auf und ab gehe? Er sagte, dass er gerne über diese Brücke gehen wolle, um auf die wunderschöne Insel gegenüber der Schlucht zu gelangen, doch er wage es nicht, denn seine Last sei so schwer und die Brücke, die er passieren müsse, mache keinen stabilen Eindruck.

Ich fragte ihn, warum er denn die Last nicht ablegen würde, dann könnte er doch ohne weiteres die Brücke passieren. Er schaute mich entgeistert an: “Ohne sein Gepäck”? “Nein, das ginge nicht”! Ich fragte ihn, was denn so Wichtiges in diesem Paket wäre, dass er es denn nicht hier lassen könne. Er lächelte und sagte stolz: “Es ist meine Vergangenheit”. Er ging auf und ab, sehnsüchtige Blicke folgten dem Weg auf diese wunderschöne Insel, mit Blumen und Früchten und frischem Wasser. Er war wirklich geschwächt, so bot ich ihm Wasser an. Dankend trank er. Ich fragte, ob er seine Last absetzen möge und auf die Insel gehen wolle. Vehement verneinte er. Auf keinen Fall würde er seine so kostbare Vergangenheit absetzen, nur, um auf die Insel zu gelangen? Es müsse doch schließlich auch einen anderen Weg geben. Wir schwiegen.

Ich meinte, wenn seine Vergangenheit leichter wäre, so könne er sie vermutlich mit auf die Insel nehmen. Doch wäre sie leichter, so wäre sein Eigengewicht weitaus mehr und so könnte er sowohl mit, als auch ohne Vergangenheit diese Brücke nicht passieren. Dadurch jedoch, dass er nun so lange gegangen sei, mit dieser Last, sei er selber davon so leicht geworden, dass er die Brücke passieren könne, würde er seine Last absetzen. Er schaute mich erstaunt an. “Es ist also die einzige Möglichkeit diese Brücke zu überqueren?”, fragte er. Ich schwieg. Er dachte nach.

Dann fragte er mich, ob ich denn kurz für ihn seine Vergangenheit tragen könnte, da er das Paket ungern in den Staub stellen wolle. Er würde jedoch gern einmal auf die Insel gehen, um zu schauen, ob sich denn der Tausch auch lohnen würde. Ich willigte ein. Er kam nie wieder zurück und so stellte ich das Paket zu den anderen.

[Nach Paula Meux, ein wenig von mir umgeschrieben ;-) ]

Viel Spass beim Brückengehen,
Doc Ramadani

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 9.0/10 (10 Bewertungen)

Verwandte Artikel

Von verliehenen Büchern

Es war einmal ein Gelehrter, zu dem viele Menschen kamen, um ihm Fragen zu stellen.  Eines Tages fragte jemand den weisen Mann: “Warum, Meister, bekommt man eigentlich verliehende Bücher so selten wieder zurück?” Darauf antwortete der Gelehrte ohne lange nachzudenken: “Weil es leichter ist, die Bücher zu behalten, als das, was drin steht.”

Viel Spass beim Bücher-verleihen,
Doc Ramadani

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 6.8/10 (9 Bewertungen)

Verwandte Artikel

Ein besonderes Geschenk

Eine weise Frau reiste durch die Berge. Eines Tages fand sie dort in einem Bachlauf einen sehr, sehr wertvollen Stein.

Am nächsten Tag traf sie einen anderen Wanderer. Der Mann war hungrig und die weise Frau öffnete ihre Tasche, um mit ihm ihr Brot zu teilen. Der Wanderer sah den wundervollen Stein in der Tasche. “Gib mir den Stein” sagte er. Die Frau reichte dem Mann ohne jedes Zögern den Stein. Der machte sich schnell davon, denn ihm war klar, dass der Stein sehr, sehr wertvoll war und dass er nun den Rest seines Lebens sorgenfrei verbringen konnte.

Einige Tage später kam der Mann jedoch zurück zu der weisen Frau und gab ihr den Stein wieder.  “Ich habe nachgedacht.” sagte er. “Ich weiß, wie wertvoll dieser Stein ist. Aber ich gebe ihn dir zurück. Das tue ich in der Hoffnung, dass du mir etwas viel Wertvolleres dafür schenken kannst. Bitte gib mir etwas davon, was es dir möglich machte, mir diesen Stein zu schenken.”

Viel Spass beim Loslassen,
Doc Ramadani

PS.: An dieser Stelle einmal wieder vielen Dank an Yves aus Luxembourg für diese tolle Geschichte.

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 7.1/10 (9 Bewertungen)

Verwandte Artikel

Gelesen: Roland Kachler – Traummord

Vielleicht könnt Ihr Euch noch an meinen Kollegen und Freund Roland Kachler aus Podcast Nr. 10 erinnern. Roland ist psychologischer Psychotherapeut und Theologe und er beschäftigt sich neben seiner psychologischen Arbeit auch mit dem Bücherschreiben. Viele Bücher hat er zu den Themen “Paarberatung” und “Trauer”, einem Thema in dem er auch Therapeuten ausbildet, veröffentlicht. Doch schon vor langem hat mir Roland auch seinen Krimi “Traummord” als Lektüre empfohlen. Endlich habe ich ihn gelesen – und bin beeindruckt:

Dr. Johannes Roth, der Leiter des Prüfungsamtes der psychologischen Fakultät der Universität und glühender Verehrer von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung, wird tot in seinem Büro aufgefunden – an seinem Schreibtisch erschossen. Unter ihm begraben liegt eines von Freuds großen Werken, in dem einige Stellen mit Blutstropfen markiert sind.

Kommissar Maurer wird mit dem Fall betraut. Maurer beschäftigt sich in seiner Freizeit selbst intensiv mit Psychologie und Therapie. Er ist ein großer Verehrer von Freud, Jung und dem amerikanischen Vater der modernen Hypnotherapie, Milton H. Erickson. Wochenlang beschäftigt sich Maurer auf konventionelle Polizeiart mit dem Fall und kommt nicht voran. Erst als er das einsetzt, was er bei den 3 Großmeistern der Psychotherapie gelernt hat, kommt der Fall in Bewegung.

Roland Kachler, psychologischer Psychotherapeut aus Remseck, lädt den Leser in seinem Krimi “Traummord” auf eine spannende Reise in die Geschichte der Psychotherapie und den gemeinsamen Wurzeln, aber auch Streitigkeiten der unterschiedlichen tiefenpsychologisch psychotherapeutischen Strömungen ein. Er flechtet in die spannende Geschichte um die Auflösung des Mordes an Dr. Johannes Roth fast in hypnotherapeutischer Sowohl-als-auch-Manier mehrere weitere Ebenen ein. Neben der eigentlichen “faktischen” Ebene, die sich mit dem Mordfall Roth beschäftigt, kann der Leser Sigmund Freud und Carl Gustav Jung sowie deren Gemeinsamkeiten aber auch Gegensätzte kennenlernen – vor allem was die Traumdeutung und die darin enthaltene Symbolik betrifft. Auf einer weiteren Handlungsebene lernt der Leser die Verdächtigen, allesamt aus dem universitären Umfeld von Dr. Roth, und deren eigene Geschichten kennen. Besonders interessant ist, dass der Leser ganz nebenbei einiges über die Menschen Freud und Jung und deren eigene Neurosen bzw. Komplexe erfährt – es ist fast rührend, diese manchmal fast unantastbaren Ikonen der Tiefenpsychologie so menschlich zu erleben.

Fazit: Alle Kolleginnen und Kollegen, die therapeutisch arbeiten, kann ich diesen Krimi als unterhaltsame Lektüre sehr empfehlen. Aber auch “psycho”-unerfahrenen aber -interessierten Krimi-Lesern möchte ich dieses Buch als unterhaltsame Abwechslung mit süchtigmachendem Thrill ans Herz legen. Dem Krimi-Leser, der eher auf konventionelle Detektivgeschichten und lineare Handlungsstränge schwört, könnte dieser wundervolle Krimi eventuell etwas zu “psycho”-mäßig erscheinen – vielleicht möchte sich aber der eine oder andere dennoch überraschen lassen?

Viel Spass beim Lesen,
Doc Ramadani

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 9.3/10 (4 Bewertungen)

Verwandte Artikel

Worum es mir in der Begleitung von Menschen geht

Wenn Menschen mich in meiner Praxis besuchen, verwende ich sehr oft sehr viel Zeit darauf, den Menschen zu erklären, dass sie so, wie sie sind, okay sind und es vielleicht hilfreich ist, darauf zu schauen, was ihre persönlichen Stärken sind. Der Arzt Dr. Eckart von Hirschhausen hat das in einer seiner Gutenachtgeschichten wunderbar dargestellt:

Viel Spass beim Stärken-herausarbeiten,
Doc Ramadani

PS.: Danke an Katharina Hille für die Inspiration in ihrem tollen Blog.

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 9.0/10 (11 Bewertungen)

Verwandte Artikel

Herr Doktor, was habe ich?

Ein Mann kommt zum Arzt und sagt: “Herr Doktor, ich weiss nicht mehr weiter. Überall wo ich hinfasse, tut es mir weh.”

Er fasst sich ganz demonstrativ mit dem Zeigefinger an die Nase und sagt: “Meine Nase tut mir weh!”. Er fasst sich an das Kinn und sagt: “Mein Kinn tut mir weh!”. Als nächstes fasst er sich an das rechte Ohr und sagt: “Mein rechtes Ohr tut mir weh!”. Er fasst sich an den rechten Rippenbogen und sagt: “Meine Rippen tun mir weh!”. Und so geht es weiter mit dem Bauch, den Schulter, dem Becken, den Oberschenkeln, den Knien, den Unterschenkeln, den Sprunggelenken, den Füßen und den Zehen.

Der Arzt, sehr um die Gesundheit seines Patienten besorgt, beginnt, diesen gründlichst zu untersuchen. Er untersucht die Nase, das Kinn, das rechte Ohr, die Rippen, den Bauch, die Schultern, das Becken, die Oberschenkel, die Knie, die Unterschenkel, die Sprunggelenke, die Füße und die Zehen. Er führt etliche Funktionstests durch. Er beginnt in Fachbüchern zu lesen und weist seine Sprechstundenhilfe an, alle Termine für den Tag abzusagen. Er bildet etliche Hypothesen und verwirft diese wieder. Stellt Diagnosen und zieht Differentialdiagnose in Betracht – und verwirft diese dann wieder. Schließlich wendet er sich an den Patienten und meint: “Kommen Sie morgen wieder, ich muss nachdenken, sie sind ein schwieriger Fall.” – Er grübelt die ganze Nacht.

Am kommenden Tag erscheint der Mann als erster Patient und der Arzt schaut ihn durchdringend an. “Ich weiß was Sie haben.”, sagt er. “Herr Doktor, was habe ich?”, fragt der Patient verschüchtert. Der Arzt holt tief Luft und meint: “Ihr Zeigefinger ist gebrochen!”.

Viel Spass beim Wechseln-der-Perspektive,
Doc Ramadani

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 8.8/10 (6 Bewertungen)

Verwandte Artikel

Das Kreuz, das nicht passt

Eines Tages war es Mosche klar geworden. Das Kreuz, das er zu tragen hatte, passte nicht zu ihm. Und so fragte er sich: “Warum hat mir Gott gerade dieses Kreuz gegeben, wo es garnicht zu mir passen will? Nein, dieses Kreuz ist wirklich nicht das, was ich verdient habe. Ich kann mit ihm nichts anfangen. Es drückt und stört mich bei jeder meiner Bewegungen. Nicht, daß ich mich nicht bemüht habe, mich daran zu gewöhnen. Ich trage es nun schon lange, tapfer und ohne zu murren, und was ist das Ergebnis? Es wird von Tag zu Tag schlimmer. Nein, Gott hat Unrecht getan, gerade mir dieses Kreuz zu geben.” So begann er zu beten und Gott anzurufen “Oh mein Gott, den ich verehre wegen seiner Weisheit und seiner Weitsicht, der Du weißt um Deine Geschöpfe und ihre Wünsche und Vorlieben, der Du sie führst durch Dunkel und Helligkeit und der Du linderst ihr Leid, oh mein Gott, so sage mir, warum habe ich gerade dieses Kreuz bekommen, wo es doch garnicht zu mit passen will? Nun trage ich es schon seit Jahren, und es wird jeden Tag unerträglicher. Wenn es nur möglich wäre ein anderes Kreuz zu erlangen, so würde ich nichts lieber tun, als mich diesem meinen zu entledigen.” Und Mosche betete und betete, bis Gott endlich sprach: “Nun gut Mosche, ich höre Dich. Ich sehe, daß Dein Wunsch von ganzem Herzen kommt, so will ich Dir Deinen Wunsch erfüllen. Schau her, hier ist ein riesiger Saal voller Kreuze, große Kreuze, kleine Kreuze, Kreuze unterschiedlicher Art. Gehe Mosche, suche Dir eins aus!” Und Mosche betritt den riesigen Saal und es war, wie Gott gesagt hatte. Alles voller Kreuze, große Kreuze, kleine Kreuze, breite Kreuze, schmale Kreuze, schwere Kreuze, leichte Kreuze, Kreuze aus Fichtenholz, aus Eiche, aus Zedernholz, aus Palisander, Kreuze unterschiedlichster Art, und Mosche sucht und sucht, doch keins will ihm richtig gefallen. Er betrachtet Kreuz für Kreuz, und schließlich ist er richtig verzweifelt, denn so sehr er auch sucht, er findet keines welches ihm zusagt. Da erblickt er plötzlich versteckt in einer Ecke ein Kreuz, dass er bisher nicht bemerkt hat, und wie er näher herangeht und es so von allen Seiten betrachtet, denkt er bei sich : “Doch dieses Kreuz sieht garnicht schlecht aus, dieses Kreuz könnte mir gefallen”. Und er spricht zu Gott. “Oh himmlischer Vater, der Du gütig zu Deinen Kindern bist, also wenn ich mir eins aussuchen kann, dieses Kreuz würde mir schon gefallen.”. “Ist gut Mosche”, antwortet Gott, “ist gut, nimm es ruhig, Du kannst es haben, es ist eh deins.”

Viel Spass beim Kreuzaussuchen,
Doc Ramadani

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 10.0/10 (3 Bewertungen)

Verwandte Artikel

Was ist eine Alternative?

Ein Mann kam zum Rabbi und fragte: “Rabbi, sag mir bitte: Was ist eine Alternative?”

Der Rabbi zögerte etwas, studierte aufmerksam das Gesicht des Fragenden und sprach dann: “Eine Alternative? Nun, das ist nicht so einfach. Ich will dir ein Beispiel geben: Angenommen, nur einmal angenommen, du hast ein Huhn. So ein Huhn kannst du schlachten, und dann hast du eine schöne Hühnersuppe oder einen Hühnerbraten. Du kannst allerdings auch warten, bis dein Huhn ein Ei legt. Dann hast du ein Huhn und ein Ei.” - ”Aha”, sagte der Fragende und ein erkennendes Leuchten zeigte sich auf seinem Gesicht, “das ist also eine Alternative.”

“Moment, warte mal ab”, sagte der Rabbi, “die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Nehmen wir einmal mal an, du entscheidest dich fürs Eierlegen. Dann hast du irgendwann ein Huhn und ein Ei. So ein frisches Ei, das gibt ein schönes Frühstücksei. Oder du kannst das Huhn natürlich auch brüten lassen. Dann hast du irgendwann zwei Hühner.” - Die Augen des Fragenden leuchteten auf: “Aha, das ist also eine Alterna… ”

“Moment, Moment”, unterbrach ihn der Rabbi. “Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Nehmen wir an, du entscheidest dich fürs Brüten. Dann hast du also zwei Hühner und irgendwann hast du acht Hühner und später dann sogar über 100. Wenn jemand 100 Hühner hat, dann kann er sich überlegen, ob es nicht Zeit ist, eine Hühnerfarm zu errichten. Bei einer Hühnerfarm gibt es nun wieder unterschiedliche Möglichkeiten. Ich kann natürlich so eine Farm neben meinem Wohnhaus bauen. Das hat gewisse Vorteile: Man ist dicht dabei, man überblickt alles und man hat immer die ganz frischen Eier. Allerdings sollte man die Geruchsbelästigung in Betracht ziehen. Die andere Möglichkeit ist, ins nahe gelegene Flusstal zu gehen. Dort haben die Hühner ideale Bedingungen, frisches Wasser und saftiges Gras. Allerdings – man ist natürlich nicht dabei. Vielleicht kommt nachts einmal der Fuchs oder ein Marder, und eines Morgens sind alle Tiere tot.” - ”Aha, das also ist… ”

“Moment, Moment”, sagte der Rabbi, “nicht so schnell, denn die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Nehmen wir mal an, du entscheidest dich für das Flusstal. Die Hühner haben ideale Bedingungen und die Farm wächst und gedeiht: 100 Hühner, 200 Hühner, 500 Hühner und schließlich über 1000 Hühner. Das wird die größte und beste Hühnerfarm weit und breit. Dann beginnt es irgendwann zu regnen. Es regnet und regnet und regnet. Das ist sehr ungewöhnlich für diese Region. Aber es regnet und hört nicht mehr auf. Das Wasser des Flusses steigt und steigt und steigt. Und schließlich überflutet das Wasser die Dämme und damit auch deine Hühnerfarm und alle Hühner sind tot.” An dieser Stelle stoppte der Rabbi unvermittelt und schwieg.

Der Mann wartete ein Weilchen und fragte dann ratlos: “Na und? Wo ist jetzt hier die Alternative…?” - Der Rabbi antwortet: “Die Alternative? Enten, mein Lieber, Enten!”

Besten Dank an Yves aus Luxembourg, der mir diese wunderbare Geschichte zugesandt hat.

Sei neugierig, wie Dich Dein Unterbewusstsein beim nächsten Frühstücksei an diese Geschichte erinnert,
Doc Ramadani

VN:F [1.9.3_1094]

Bewertung dieses Beitrags:

Bewertung: 10.0/10 (7 Bewertungen)

Verwandte Artikel