In den vergangenen Monaten wurde mit großen Medienaufgebot die Öffentlichkeit auf die Themen Darmkrebs und Darmkrebsvorsorge aufmerksam gemacht. Und das ist gut so.
Dass ich Ihnen dennoch diesen Beitrag schreibe, hat einen sehr traurigen Grund: in der vergangenen Woche ist ein guter Freund von mir an Darmkrebs verstorben. Wie er mir bei unserem Kennenlernen in meiner Praxis (leider seinerzeit schon nach der zweiten Operation und mit Tochtergeschwülsten in der Lunge) berichtete, hatte er bereits monatelang, bevor er letztlich zum Arzt gegangen ist, anhaltende Stuhlveränderungen. Was besonders traurig ist: Darmkrebs kann, rechtzeitig entdeckt, geheilt werden. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle nochmals eine Lanze für die Darmkrebsvorsorge brechen – die Vorsorge kann Leben retten.
Darmkrebs – einige Fakten
- jedes Jahre erkranken in Deutschland rund 71.000 Menschen neu an Darmkrebs und rund 29.000 Menschen sterben an ihrer Erkrankung
- damit ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland
- die diagnostischen Verfahren sind vorhanden und effektiv – wenn sie genutzt werden
- rechtzeitig entdeckt ist Darmkrebs heilbar
- leider werden die Möglichkeiten zur Vorsorge nur von wenigen Patienten in Anspruch genommen
Darmkrebs entsteht langsam
Darmkrebs entsteht in den meisten Fällen nach dem 50. Lebensjahr. Großteils entsteht Darmkrebs aus anfangs gutartigen Polypen. Diese Polypen wachsen in der Regel sehr langsam. Polypen können bei jedem Menschen auftreten – auch bei Menschen die sehr gesund leben. Ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Darmkrebserkrankung haben Menschen mit einer erblichen Vorbelastung (wenn schon mehrere Mitglieder der Familie an Darmkrebs erkrankt sind).
Welche Vorsorgemöglichkeiten gibt es?
Neben einer allgemeinen körperlichen Untersuchung, wie Sie regelmäßig bei Vorsorgeuntersuchen erfolgen sollte, gibt es besondere Untersuchungsmethoden, die bei der Darmkrebsvorsorge eine wichtige Rolle spielen:
- Test auf okkultes (verstecktes) Blut im Stuhl.
Dieser Test wird in der Regel von jedem Hausarzt angeboten. Stuhlproben werden mittels kleiner “Testbriefchen” gewonnen und auf Blutspuren untersucht. Wichtig ist, dass vor und während der Probengewinnung auf gewisse Nahrungsmittel verzichtet wird, da diese den Test verfälschen können. Ihr Hausarzt wird Sie darüber informieren. - Test auf das Schlüsselenzym Tumor M2-PK im Stuhl.
Dieser Test hat den Vorteil, dass er auch Hinweise auf nicht blutende Polypen und Tumoren erbringen kann. Dieser Test wird nicht als Regel-Vorsorgeuntersuchung angeboten, aber ich empfehle meinen Patienten diesen Test (in Verbindung mit einem Test auf verstecktes Blut) regelmäßig. - Die Darmspiegel (Koloskopie).
Die Darmspiegelung ist die wichtigste und sicherste Vorsorgeuntersuchung. Der Vorteil liegt insbesondere darin, dass der Darm nicht nur unter diagnostischen Gesichtspunkten untersucht werden kann, sondern dass gegebenenfalls gleich kleinere Polypen (mögliche Vorstufen von Darmkrebs) abgetragen werden können und/oder Gewebeproben entnommen werden können.
Darmspiegelung – risikoarm und wenig belastend
Die Darmspiegelung, so wie sie heute von Gastroenterologen (Adressen in unserer Region siehe unten) durchgeführt wird, ist risikoarm und kann in der Regel völlig schmerzfrei durchführt werden. Mit einem langen, dünnen und flexiblen Instrument, das mit einer sehr empfindlichen Videokamera ausgestattet ist, wird der komplette Dickdarm untersucht. Die Untersuchung dauert normalerweise zwischen 15 und 30 Minuten, je nachdem, ob Polypen abgetragen werden und/oder Gewebeproben entnommen werden. Die Untersuchung ist Dank der modernen Medikamente, die den Patienten beruhigen und meist schlafen lassen, normalerweise vollständig schmerzfrei. Lediglich das Abführen vor der Untersuchung wird von manchen Patienten als ein wenig belastend empfunden. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass eine Koloskopie deutlich weniger belastend ist, als man sich gemeinhin vorstellt.
Übernahme der Kosten für die Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen durch die gesetzlichen Krankenkassen
Die gesetzlichen Krankenkassen haben das enorme präventive sowie gesundheitsökonomische Potential der Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen erkannt und übernehmen ab dem 50. Lebens einmal pro Jahr die Kosten für eine Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl. Ab dem 55. Lebensjahr werden einmalig die Kosten für eine Darmspiegelung übernommen. Eine Nachuntersuchung nach 10 Jahren wird ebenfalls übernommen. Die Untersuchung des Schlüsselenzyms Tumor M2-PK im Stuhl, zur Identifizierung von nicht blutenden Polypen und Tumoren, wird durch die gesetzlichen Krankenkassen noch nicht im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung getragen. Manche Ärzte bieten diese Untersuchung jedoch als individuelle Gesundheitsleistung (IGEL) für Ihre Patienten an – die Kosten trägt der Patient dann selbst.
Wann ist eine Darmspiegelung unbedingt empfohlen
Es gibt Situationen, in denen eine Darmspiegelung unabhängig vom Alter unbedingt empfohlen ist:
- bei positivem Stuhltest auf okkultes Blut – auch wenn nur in eine der 3 untersuchten Stuhlproben Blut nachgewiesen wurde
- bei einem positiven Test auf das Schlüsselenzym Tumor M2-PK im Stuhl (auch bei negativem Test auf okkultes Blut)
- bei sichtbarem Blut im oder auf dem Stuhl, oder am Toilettenpapier
- bei neu aufgetretenen anhaltenden Stuhlveränderungen
- bei Patienten in deren Familie es schon mehrere Darmkrebsfälle gegeben hat – hier sollte der Termin der ersten Darmspiegelung sowie das Kontrollintervall ganz individuell mit dem betreuenden Hausarzt festgelegt werden (persönlich empfehle ich hier meinen Patienten zu eher kürzeren Intervallen, z.B. 3 Jahren)
- bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Wer führt die Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen durch
Die Stuhluntersuchungen können in der Regel beim Hausarzt durchgeführt werden. Für die Darmspiegelung kommen in der Region Ulm / Neu-Ulm folgende Gastroenterologen in Frage (in alphabetischer Reihenfolge, bei gesetzlich Krankenversicherten Überweisung durch den Hausarzt):
- Dr. med. Goswin von Dewitz
Internist und Gastroenterologe
Olgastr. 139
89073 Ulm
Telefon: 0731 – 68820
Telefax: 0731 – 618726
eMail: praxis@dr-von-dewitz.com
Homepage: www.dr-von-dewitz.com - Gemeinschaftspraxis Dr. Hammann – Dr. Klatt
Gartenstr. 36
89231 Neu-Ulm
Telefon: 0731 / 73997
Telefax: 0731 / 9723701
eMail: praxis@hammann-klatt.de
Homepage: www.hammann-klatt.de - Gemeinschaftspraxis Dr. Mangold – Dr. Böck
Söflinger Str. 168
89077 Ulm (Söflingen)
Telefon: 0731 / 37174
Telefax: 0731 / 36810
eMail: praxis@internisten-ulm.de
Homepage: www.internisten-ulm.de
Die Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten
Ich wünsche mir, dass zukünftig mehr Menschen die Möglichkeiten der Darmkrebsvorsorge nutzen, da sie Leben retten kann. Der traurige Fall meines Freundes hätte vielleicht einen anderen Verlauf genommen, wenn er rechtzeitig zum Arzt gegangen wäre. Patienten, die ich erfolgreich für die Durchführung einer Vorsorgeuntersuchung gewinnen konnte, bestätigen mir immer wieder, dass ihnen die Vorsorge Sicherheit gegeben hat und sie froh darüber sind, sich dafür entschlossen zu haben.
Eine ausgelassene Vorsorgeuntersuchung ist eine verpasste Chance.
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Dr. med. Marco Ramadani ist niedergelassener Arzt in eigener Privatpraxis für Hypnotherapie und Klinische Hypnose im Neu-Ulmer Stadtteil Pfuhl.
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